Das Ökosystem im Schildkröten-Aquarium *von U. GEISSELDieser Artikel ist zu finden in: EMYS, 11(4)2004 Abstract. The ecosystem of the turtle aquarium. This paper illustrates the ecosystem of turtle aquariums. First some common problems like off-odors, water turbidity and organic residues on the bottom of turtle tanks are discussed. The author describes in simple words the fate of organic wastes in turtle tanks and compares it to the self-purification within natural water bodies. He illustrates the importance of a good aerobic microbial biocenosis in the aquarium and shows some simple tricks how to promote the growth of these useful decomposing microorganisms. The oxygen content of the water is of main importance in aquaria, because many of the problems mentioned above are caused by oxygen deficiency for the useful microbia in water bodies with low oxygen content. Oxygen shortage is also the main reason for high contents of toxic intermediates of the nitrification process. Another reason for the accumulation of toxic nitrogen compounds is a high (basic) pH value of the water respectively pH value fluctuations, which occurs mainly in aquaria with low water hardness and low microbial activity. Therefore the author recommends regular monitoring of the main chemical parameters of the aquarium water not only for ornamental fish aquaria but also for turtle tanks. The desired microorganisms are mainly sessile and live in still water bodies. They tolerate only slow water currents. A very good substratum for them to adhere on is coarse lava gravel. One corner of the aquarium bottom can be separated by a low glass or stone wall and can be filled with lava gravel to act as a preliminary filter for the larger waste materials. From this preliminary filter the aquarium water is pumped into the main water filter which can be filled with lava gravel or a similar substrate. Some of the nitrificant bacteria do not grow well on the lava but need a substrate of high-molecular carbohydrates which does not itself foul the water. This is best supplied by putting dead leaves, barley straw or coconut bark chippings into the aquarium. The author gained positive experience when filling the bottom of his aquaria with a layer of fine sand, preferably from a clean stream, which is at least 5 cm deep. He could demonstrate that this sand layer helps in stabilizing the aquarium biocenosis. It might be that the sand layer also plays a role in the denitrification process within the aquarium. Another means of denitrification is the use of external plant filters. A very effective stabilization of the aquarium water parameters is accomplished by using a foam mat filter which can be used singly or in combination with other water treatment techniques. The author illustrates his own experiences in aquaria with mud turtles by means of direct observations and series of measurements. He shows the reasons for the problems in turtle tanks and gives hints how to avoid them. Especially useful are the advices how to promote the growth of a sufficiently dense population of useful aerobic microorganisms within a new aquarium and what to regard when changing the water or cleaning the filter. On comparing the aquarium with the biological cycles in natural waters the concerns of insufficient hygiene in biological active aquaria should be relieved. Key words: aquarium ecology; limnology; self-purification in aquatic ecosystems; common problems with turtle aquariums; off lodors; water turbidity; algal blooms; aerobical and anaerobical decomposition of biological remnants; nitrification; denitrification; oxygen demand of aerobical destruents; outcome of oxygen shortage in aquaria; monitoring of water parameters; pH value; water hardness; use of sand in turtle aquaria; muck, mud and sludge; use of lava gravel as filter substratum; water filter technologies; foam mat filtration. Vorurteile über die Wasserschildkrötenhaltung Wasserschildkröten sind ein beliebtes Hobby. Leider wird die Freude an der Wasserschildkrötenhaltung oft durch Probleme mit dem Wasser getrübt. Gerade Anfänger haben das Problem, dass das Wasser nach wenigen Tagen zu riechen beginnt und trüb wird. Häufige Wasserwechsel und Putzaktionen sind oftmals die Folge. Oft hört man daher die Meinung: "Wasserschildkröten möchte ich nicht haben, die stinken und man muss ihr Aquarium oft sauber machen". Im Folgenden soll gezeigt werden, wie es zu diesen Problemen kommt und wie sie vermieden werden können. * Anmerkung der Redaktion: Der vorliegende Artikel ist "vom Praktiker für den Praktiker" geschrieben. Es ist ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht mit Hinweisen auf empfehlenswerte Internetquellen. Die dargestellten Schlussfolgerungen gehören jedoch zum großen Teil zum Grundwissen der Limnologie (= Süßgewässerkunde). Um dies für einzelne Aussagen klar zu stellen, habe ich mir beim Durcharbeiten das Lehrbuch "Einführung in die Limnologie" daneben gelegt. Damit der Lesefluss nicht allzu sehr gestört wird, stehen die Verweise auf die entsprechenden Kapitel des Buches in Kästchen. Von diesem Buch ausgehend ist der Einstieg in die limnologische Primärliteratur leicht möglich. Daher wurde auf die Angabe dieser Quellen hier verzichtet. Im Kapitel zur Literatur sind lediglich einige besonders empfehlenswerte Internetquellen zum Thema genannt, denn diese sind über das Buch nicht zu ermitteln. Falls Bedarf besteht, können gerne noch weitere (ausführlichere) Standardwerke der Limnologie genannt werden. Ich bitte dann um eine kurze Anfrage über HARALD ARTNER. BEATE PFAU Grundüberlegungen zur AquarienökologieWarum stinkt das Wasser?In Schildkrötenaquarien fällt wesentlich mehr Abfall an als in Fischaquarien, da der Besatz (Lebendgewicht/ Wasservolumen) und damit der Nahrungsdurchsatz, vor allem bei Pflanzen fressenden Schildkröten, in der Regel größer ist. Dieser Abfall ist Nahrung für viele Mikroorganismen. Wenn die Mikroorganismen den Abfall abbauen, verbrauchen sie dabei Sauerstoff.Viel Abfall
----> viele Mikroorganismen ----> hoher
Sauerstoffverbrauch
Wenn nun der Sauerstoff knapp wird, wachsen andere Mikroorganismen, die den Abfall ohne Sauerstoff, also anaerob, weiterverarbeiten können. Dabei fallen nun die Stoffe an, die so unangenehm riechen. Wasser stinkt, wenn zu wenig Sauerstoff darin enthalten ist. Deshalb darf nie Sauerstoffmangel herrschen. Eine kräftige Belüftung, entweder durch den Filterrücklauf oder durch Sprudelsteine, ist immer sinnvoll. Allgemein herrscht die Meinung, dass die Wasserwerte bei Schildkröten vernachlässigt werden können. Es reicht jedoch nicht aus, die Wasserqualität nur anhand der Klarheit oder der Geruchlosigkeit zu bewerten. Wenn das Wasser im Schildkrötenbecken nicht in Ordnung ist, führt das leicht zu Haut- und Panzererkrankungen.
Warum wird das Wasser trüb?Im Prinzip aus dem gleichen Grund, weshalb es auch stinkt. Allerdings bestehen diese Trübungen meist aus frei im Wasser schwebenden Mikroorganismen. Gleichzeitig mit den Trübungen bilden sich an blanken Böden oft Mulmflocken, also eine braune, wabernde Masse. Man darf diesen Mulm nicht mit Kot verwechseln! In natürlichen Gewässern findet man kaum je Mulmflocken oder die bräunlichen Wassertrübungen wie im Aquarium. Dies liegt daran, dass in den Gewässern vielfältige Lebensräume für die Mikroorganismen vorhanden sind. Jede Art findet ihren optimalen Lebensraum. In Aquarien ohne Bodenbelag ist die Auswahl an Kleinlebensräumen für diese Organismen sehr viel geringer. Daher funktioniert die Selbstreinigung hier nicht vollständig und die Zwischenprodukte bleiben sichtbar und auch messbar. Grüne Trübungen in Aquarien entstehen durch Schwebealgen und grün gefärbte Bakterien. Sie stellen eigentlich kein Problem dar, aber sie behindern die Sicht und man sieht die Schildkröten dann kaum noch oder gar nicht mehr.In einem Aquarium müssen ausreichend große und vielfältige Lebensräume für die Abfall abbauenden Mikroorganismen geschaffen werden, so dass sie weder als Mulmflocken im Becken treiben noch das Wasser trüben. Auch die grünen Schwebealgen neigen in solchen Aquarien nicht so zur Massenvermehrung.
Welchen Abfall gibt es im Aquarium?Feste, das Wasser belastende Abfallstoffe sind Futterreste, Kot, abgestorbene Pflanzen und abgestorbene Mikroorganismen. Sehr kleine Stückchen der Feststoffe werden durch die Bewegungen der Tiere suspendiert, das heißt sie schweben im Wasser und werden vom Filter angesaugt. Als flüssige Abfallstoffe kommen hauptsächlich Harnstoff und seine Abbauprodukte, zum Beispiel Ammonium, vor. Daneben gibt es aber auch eine große Menge an Stoffwechsel-Zwischenprodukten und Abbauprodukten der Mikroorganismen, die meist ebenfalls im Wasser gelöst vorliegen. In der Natur werden alle diese Stoffe abgebaut und "verschwinden". Da ein Aquarium ein Stück Natur darstellt, finden dort die gleichen Prozesse statt. Der Abfall "verschwindet" ebenfalls. Allerdings verschwinden die Abfallstoffe nur fürs Auge. Tatsächlich aber werden die groben Feststoffe von Mikroorganismen immer weiter zerlegt, bis sie als nicht weiter zerlegbare Stoffe im Wasser gelöst vorliegen.
In einem Aquarium gibt es keinen Abfall, der "entsorgt" werden muss. Die organischen Abfälle sind Nahrung für die Mikroorganismen, die sie immer weiter bis zu unschädlichen Reststoffen abbauen. Wo leben die abbauenden Mikroorganismen in der Natur?In Teichen und Seen sind der Wurzelbereich von Wasserpflanzen, besonders in Schilfgebieten, und der Schlick am Boden der Haupt-Lebensraum der Mikroorganismen. Da in einem Aquarium schlecht noch ein Schilfgebiet eingebaut werden kann, muss den Mikroorganismen Ersatz geboten werden. Hierfür wird im Allgemeinen ein Filter eingesetzt. Da die Mikroorganismen aber alle Oberflächen besiedeln, die ihnen angenehm sind, kommt natürlich auch das Aquarium selbst als Lebensraum der Mikroorganismen in Frage, wenn hier besiedelbare Oberflächen vorhanden sind. In den Wurzelbereichen und am Boden der Seen und Teiche herrscht nur wenig Strömung. Die Nährstoffe sinken langsam auf den Boden, die gelösten Stoffe gelangen durch Diffusion in tiefere Schichten. In den meisten herkömmlichen Aquarienfiltern werden jedoch durch viel zu starke Pumpen unnatürlich hohe Strömungsgeschwindigkeiten verursacht, die den nützlichen Mikroorganismen nicht zusagen.
Um den Mikroorganismen einen möglichst naturnahen Lebensraum bieten zu können, darf der Filter nur langsam durchströmt werden. Welches Substrat im Aquarium eignet sich als Lebensraum für die Mikroorganismen?
Im Aquarium kann fester Abfall in Lava-Ecken gesammelt und dort von den Mikroorganismen zerlegt werden. Was bleibt vom Abfall übrig?Beim Abbau des Abfalls in einem sauerstoffreichen Milieu fällt neben Kohlendioxid auch Stickstoff an. Das erste Abbauprodukt der Stickstoffverbindungen beim bakteriellen Abbau ist normalerweise das relativ ungiftige Ammonium (NH4), das bei hohen pH-Werten jedoch in das äußerst giftige Ammoniak umgewandelt wird. Daher sollte auch in Schildkrötenaquarien darauf geachtet werden, dass der pH-Wert im neutralen Bereich bleibt. Ammonium wird in einem gut laufenden Aquarium zunächst in für Fische hochgiftiges Nitrit (NO2) umgewandelt, dann aber sofort weiter zu Nitrat (NO3) aufoxidiert. Das Nitrat ist zwar weniger giftig als die genannten Zwischenprodukte, aber es reichert sich im Aquarium an und erreicht manchmal Konzentrationen, die dann auch schon schädlich sind. Neben dem Nitrat bleiben auch noch Mineralsalze übrig, die mit der Zeit das Aquarienwasser aufsalzen. Einige Stoffe lagern sich im Schlamm ab. Dieser überwiegend anorganische Schlamm unterscheidet sich vom Mulm optisch durch seine wesentlich feinere Struktur. Er scheint einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Wasserwerte zu haben (KASSEBEER, http://www.deters-ing.de/Gastbeitraege/schlamm.htm).
Meine Messungen ergaben, dass die Gesamthärte des Wassers in meinen frisch eingerichteten Aquarien sehr niedrig war und der pH-Wert noch stark schwankte. Nach etwa einem dreiviertel Jahr beginnt der pH-Wert sich zu stabilisieren, und die Gesamthärte steigt etwas an. Später müssen selbst bei Wasserwechseln keine Eingriffe in die Wasserchemie mehr vorgenommen werden. Die Werte bleiben sehr konstant. Wie werde ich Nitrat und Salze wieder los?Salze reichern sich im Aquarienwasser an und können nur durch Wasserwechsel reduziert werden. Dadurch wird ebenfalls der Nitratgehalt gesenkt. Allerdings kann, wenn auch selbst in Aquarianerkreisen umstritten, Nitrat auch im Aquarium selbst abgebaut werden. Dies geschieht zum einen durch Pflanzen, die im Wasser oder in durchflossenen Pflanzgefäßen dem Wasser das Nitrat entziehen, zum anderen erfolgt der Nitratabbau in sauerstoffarmen Zonen im Aquarium. Die Nitrat abbauenden Mikroorganismen benötigen Kohlenstoffverbindungen zur Energiegewinnung. Diese sind im organischen Abfall in Schildkrötenaquarien in ausreichenden Mengen vorhanden.Das Resultat der Wasserreinigung durch Mikroorganismen sind im Wasser gelöstes Nitrat und Salze. Beide sind in höherer Konzentration schädlich für die Tiere und werden am einfachsten durch Teilwasserwechsel reduziert. Wie kann ich den Nitratabbau im Aquarium fördern?Zum bakteriellen Nitratabbau eignen sich alle sehr langsam durchflossenen Filter und auch der Bodengrund. Sehr gut geeignet sind Pflanzenfilter. Dies sind mit stark wachsenden, unempfindlichen Pflanzen bepflanzte Blumenkästen, die vom Aquarienwasser durchströmt werden. Diesen Pflanzenfiltern wird nachgesagt, dass die Pflanzen das Nitrat zum Aufbau der Pflanzenmasse benötigen und es so dem Wasser entziehen. Allerdings dürfte in ihnen ebenfalls ein nicht unbedeutender anaerober Nitratabbau erfolgen. Aufgrund der Bepflanzung wird dieser Blumenkasten, im Gegensatz zu den Filtern, von Schildkrötenhaltern nahezu nie gereinigt. Da die Mikroorganismen völlig ungestört sind, kann sich ein Natur-ähnliches und artenreiches Ökosystem bilden. In solch einem großen Behälter wird nicht der gesamte Querschnitt gleichmäßig durchflossen. Es bilden sich Bereiche, in denen mehr Wasser strömt. Daneben gibt es aber auch Bereiche, die kaum durchströmt sind. In den letztgenannten Bereichen ist irgendwann der Sauerstoff aufgebraucht und die Nitrat verzehrenden Bakterien beginnen ihr Werk. Das abgebaute Nitrat wird als Stickstoff an die Atmosphäre abgegeben. Probleme mit entstehendem Nitrit gibt es nicht, da das Wasser diese sauerstoffarmen Bereiche auch nur langsam wieder verlässt und dann wieder in sauerstoffreiche Gebiete gelangt. Dort wird das restliche Nitrit sofort wieder zu Nitrat aufoxidiert. Es ist verschwunden, bis das Wasser das Aquarium wieder erreicht.
Auch im Sandboden scheint ein gewisser Nitratabbau zu erfolgen. Im Sand bildet sich ein geruchloses, nicht brennbares Gas. Eine qualitative Analyse im Gaschromatographen ergab 95% Stickstoff. Dies lässt auf anaeroben Abbau von Nitrat schließen. Diese Vermutung wird auch durch die Nitratwerte der wöchentlichen Messung untermauert, auch wenn aus dieser Messung auf Grund des Messverfahrens nur Tendenzen abzulesen sind. Diese Messungen zeigen, dass die Nitratwerte auf hohem Niveau stabil bleiben, auch wenn z. B. in der Eiablagesaison sehr viele Nährstoffe (Schildkrötenpudding, ca. 30g/d) zugeführt werden. SchlussfolgerungenWelche Leistung muss ein Filter haben?Diese Frage ist falsch gestellt. Der Filter ist der Ort, an dem Reinigungsorganismen leben. Wenn nach der Leistung gefragt wird, ist in der Regel die Leistung der Pumpe gemeint. Wie oben erläutert, hat diese nur zur Aufgabe, das Wasser in den Filter und von diesem wieder zurück ins Aquarium zu bewegen. Da die Mikroorganismen keine hohen Strömungsgeschwindigkeiten mögen, sollte die Leistung der Pumpe eher niedrig sein.Da die groben Abfallbestandteile in den Lava-Ecken abgebaut werden, muss der Filter auch nicht als Unterwasserstabsauger dienen und benötigt auch deshalb keine hohe Ansaugströmung. Es ist ausreichend, wenn das Wasser des Aquariums alle 1-3 Stunden einmal umgewälzt wird. Die zu hohe Pumpleistung herkömmlicher Außenfilter kann durch Abklemmen der Schläuche reduziert werden. Nach einiger Zeit reduziert sie sich von alleine durch Bakterienkolonien, die die Schläuche innen besiedeln. Dadurch wird der Strömungswiderstand in den Schläuchen erhöht und der Durchfluss reduziert sich. Für strömungsliebende Schildkrötenarten sollte eine extra Wasserpumpe eingesetzt werden. Wie groß muss der Filter sein?Die Faustformel, dass ein Filter im Schildkrötenbecken die dreifache Leistung wie im Fischaquarium haben sollte, funktioniert meist, ist aber völlig unpräzise und unnötig teuer.Die Größe des Filters, also sein Volumen, muss so groß sein, dass darin ausreichend Besiedelungsfläche für die Mikroorganismen geschaffen werden kann. Da aber die Menge der Reinigungsbakterien von der Menge des Abfalls abhängt, ist es sinnvoller, seine Größe nach der Größe und Anzahl der Schildkröten zu richten. Die Frage, welches Volumen ein Filter haben soll, kann pauschal aber nicht beantwortet werden. Das hängt von vielen Faktoren ab. So wird bei Herbivoren ein größeres Filtervolumen benötigt als bei Karnivoren, weil bei diesen Arten mehr Abfallstoffe entstehen, die auch noch länger zum Abbau brauchen. Ein großes Aquarium mit wenigen Tieren beherbergt bei sinnvoller Einrichtung bereits ein großes Reinigungspotential und braucht folglich weniger externe Filterleistung als ein kleines Aquarium mit demselben Besatz. Ein Filtervolumen mit etwa 10-20 Liter Lava pro Kilogramm Schildkröte sollte ausreichend für einen problemlosen und wartungsarmen Betrieb sein. Das Volumen der oben beschriebenen Lavaecke kann zum Filtervolumen dazugezählt werden. Erfahrungen und EmpfehlungenDie folgenden Empfehlungen beruhen auf eigenen Erfahrungen und denen von Bekannten. Damit man sich eine bessere Vorstellung machen kann, möchte ich zunächst eines der Aquarien vorstellen. Das Aquarium (Abb. 5, lbh 120 x 40 x 50 cm) wird von 1,2 Sternotherus odoratus und vielen Fischen bewohnt. Filter, Landteile und Flachwasserbereiche sind mit Glas eingeklebt. Der Boden besteht aus ca. 5 cm Rheinsand. Am oberen Rand des Aquariums befindet sich eine Rinne mit Tongranulat (Seramis), die mit Bubikopf, Efeutute und Philodendron bepflanzt ist. Sie wird langsam vom Aquariumwasser durchströmt.Im Aquarium selbst wächst Hornkraut, Wasserpest und Muschelblume. Das für die Pflanzen erforderliche Licht kommt von zwei CDM-R 35 W Strahlern. Das Wasser des Aquariums wird alle 1-3 h einmal umgewälzt. Bevor das Wasser den Filter verlässt, wird es stark belüftet. Mittlerweile läuft das Becken seit 20 Monaten. Nach einer Fadenalgenplage und danach einer Blaualgeninvasion in den ersten 6 Monaten gibt es keinerlei Probleme und fast keine Arbeit mehr.
Die Wasserqualität ist bestens. Gerüche oder Trübungen sind zu keiner Zeit aufgetreten. Arbeiten, die regelmäßig durchgeführt werden, sind das wöchentliche Wassernachfüllen und das 2-3- wöchentliche Dezimieren der wuchernden Wasserpflanzen. Ein 50%-iger Wasserwechsel wird unregelmäßig etwa jedes viertel Jahr durchgeführt. Dabei werden oberflächlicher Mulm und Schlamm abgesaugt. Nach 1,5 Jahren musste zum ersten Mal Schlamm aus dem ins Aquarium eingeklebten Filter entfernt werden. Nach dem Entfernen der Lava aus dem Filter wurden im Rahmen des 50%-igen Wasserwechsels etwa 3-4 Liter Schlamm aus dem Filterkörper abgesaugt und die Lavasteine abgespült. Das System läuft mittlerweile so stabil, dass selbst während der Zeit des Eierlegens, in der täglich 20-30 g Schildkrötenpudding ins Becken gegeben wurden, keine zusätzlichen Arbeiten anfielen. Auch in dieser Zeit blieben die Wasserwerte stabil. Die Bilder 2, 5, 10, 11 und 15 zeigen dieses Aquarium.
BodenbelagIn der Wasserschildkrötenhaltung wird häufig auf Bodenbelag verzichtet. Vor zwei Jahren habe ich ein Schildkrötenaquarium mit Sand aus einem Waldbach gefüllt, da ich Schlamm und keine Kiesschildkröten besitze und diesen eine möglichst naturnahe Umgebung bieten möchte. Eigentlich hatte ich erwartet, dass es schnell zu Fäulnis kommen würde und ich den Sand austauschen müsste. Nun nach zwei Jahren ist der Sand immer noch im Aquarium. Eine Reinigung dieses Aquariums war bisher nicht erforderlich. Der Sand ist immer noch genau so sauber wie am ersten Tag. Selbst durch massives Wühlen gab und gibt es keine nennenswerten Trübungen. Dabei hielt sich der Pflegeaufwand sehr in Grenzen. Außer einem 50%-igen Wasserwechsel etwa jedes viertel Jahr und dem halbjährlichen Entfernen des Schlamms im Filter war bisher keine weitere Reinigungsaktion nötig. Mittlerweile sind alle meine Aquarien mit Sand ausgerüstet. Vor eineinhalb Jahren begann ich, in Schildkrötenforen im Internet für Sandböden im Wasserteil der Schildkrötenbecken zu werben. Viele Schildkrötenhalter sind den Argumenten gefolgt und haben seither keine Wasserprobleme mehr. Sand wirkt sehr stabilisierend und positiv auf die Wasserqualität. Die Gründe dafür können nur vermutet werden.
Sand ist ein natürlicher Bodenbelag. Die Mikroorganismen finden auf und in ihm einen hervorragenden Lebensraum, während glatte, "sterile" Böden nur eine sehr reduzierte Artenvielfalt zulassen. Die auf Glasböden herumwabernden Mulmflocken, die es auf Sandböden nicht gibt, sind ein deutliches Zeichen dafür. Diese eigentlich "nützlichen" Mulmflocken werden zudem oft für Kot gehalten und deshalb entfernt. Auch wenn es schwer zu glauben ist: Sandböden sind immer "sauber". Es gibt weder Mulm darin oder darauf, noch Fäulnisherde. Die Mikroorganismen, die auf dem Glasboden "nicht wissen, wo sie hin sollen" und sich daher in den bekannten Flocken organisieren, finden im Sand-Lavaboden-Aquarium in den Lava-Ecken und im Filter ausreichend Lebensraum. Der braune Mulm und Schlamm, der sich im Aquarienkies sammelt und (ebenfalls überflüssigerweise) bei Putzaktionen abgesaugt wird, kann zwischen den Sandkörnern gar nicht erst entstehen, da die Abstände dazwischen zu gering sind. Den Sand nehme ich entweder aus einem klaren, sauberen Bach, oder ich verwende Rheinsand (Flusssand) vom Kieshändler. Vor dem Einbringen ins Aquarium wird der Sand so lange in Leitungswasser ausgespült, bis nur noch geringe Trübung durch Sandstaub im Spülwasser vorhanden ist. Diese Feinpartikel werden im Aquarium innerhalb weniger Tage im Schlamm gebunden, und das Wasser bleibt klar.
Fragen zur AquarienhygieneGibt es Fäulnis im Sand?In allen meinen Becken gab es bisher keinerlei Fäulniserscheinungen. Im Sand finden aber doch Abbauvorgänge statt. Es bilden sich größere Mengen eines geruchsfreien Gases, selbst bei massivem Wühlen im Sand gibt es keine Gerüche. Eine Analyse des entstandenen Gases im Gaschromatographen ergab, dass es sich überwiegend um reinen Stickstoff handelte. Meine ursprünglichen Befürchtungen, dass im Sand Nitrit entstehen könnte, das durch das Wühlen der Schildkröten eventuell freigesetzt werden kann, und dann zumindest die Fische schädigt, haben sich nicht bestätigt. Bei der Entnahme des Gases für die Chromatographen- Untersuchung wurde der gesamte Boden durchwühlt - stärker, als die Schildkröten dies können. Gleich danach wurde mit einem Tröpfchentest ein Nitritwert von lediglich 0,3mg/l ermittelt. Bereits eine Stunde später war der Messwert schon wieder deutlich geringer. Bei einer dritten Messung sechs Stunden nach dem Wühlen war gar kein Nitrit mehr nachweisbar. Normalerweise sollte in einem biologisch aktiven Aquarium niemals Nitrit nachweisbar sein!Können durch "Teichdreck" keine Krankheitskeime ins Aquarium eingeschleppt werden?Natürlich werden dadurch auch Krankheitskeime eingeschleppt. Gesunden Tieren macht dies jedoch nichts aus. Im Gegenteil, ihr Immunsystem wird dadurch gestärkt. Langsam setzt sich ja beim Menschen die Erkenntnis durch, dass zu große Sauberkeit eher Krankheit auslösend (z.B. Allergien), denn Krankheit verhindernd ist. Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für Wasserschildkrötenbecken. Gesunde Tiere, die in einem gesunden und artenreichen Gewässer leben, haben sicherlich weniger Probleme als Tiere, die in einer instabilen, zyklisch stinkenden Brühe leben müssen. Vor allem frisch geschlüpften Tieren bekommt ein gut eingefahrenes Aquarium besser als eine sterile Schüssel. Die für den Aufbau den Aufbau der Darmflora der Schlüpflinge benötigten Organismen befinden sich dann bereits im Becken und die Verdauung klappt von Anfang an problemlos.
Ist ein natürliches Gewässer dreckig - oder: Wie sauber muss ein Aquarium sein?Viele Aquarianer und Schildkrötenhalter sind in einem ständigen Kampf gegen Mulm, Schlamm und sonstigen Unrat, der am Boden des Aquariums liegt und manchmal von den Tieren aufgewirbelt wird. Vergleicht man solche Aquarien mit der Natur, so scheint es, dass versucht wird, in den Aquarien die Keimfreiheit eines Schwimmbads zu erhalten. In einem gesunden, sauberen Gewässer dagegen ist immer ein gewisser Bodenbelag aus abgestorbenen Pflanzen und auch Schlamm vorhanden. Warum nimmt man sich nicht auch hier die Natur als Vorbild? Das Resultat: gesundes, biologisch aktives und vor allem sauberes Aquarienwasser. Nebenbei erspart man sich durch das Fördern der Mikroorganismen auch noch jede Menge überflüssiger Arbeit. Natürlich darf man hier an "sauber" nicht die wirklichkeitsfremden Maßstäbe eines MEISTER PROPER anlegen. Stattdessen sollte man sich einmal die Mühe machen und sich, auf dem Bauch liegend, oder besser noch unter Wasser mit der Taucherbrille, ein Gewässer in der Natur ganz aus der Nähe anzuschauen. Dann kann jeder für sich entscheiden, wie viel Natur er in seinem Aquarium zulassen will und kann.FazitIn einem Aquarium gibt es keinen "Dreck". In einem naturnah eingerichteten Aquarium werden alle anfallenden Abfallstoffe abgebaut. Gelegentliche regulierende Eingriffe, wie Teilwasserwechsel und das Entfernen von überschüssigem Schlamm, reichen völlig aus. Umfassende Putzaktionen vergrößern die Probleme, anstatt sie zu beseitigen.Literatur SCHWOERBEL, J. (1999): Einführung in die Limnologie. 8., vollständig überarbeitete Auflage. - Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, Jena, Lübeck, Ulm, 465 pp. Internetquellen: DETERS, O.: Aquaristik ohne Geheimnisse. - http://www.deters-ing.de (Version vom 03.04.2004) DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR HERPETOLOGIE UND TERRARIENKUNDE (DGHT): Diskussionsforum. - http://www.herp-science.de/dghtserver/foren/index.php (Die Diskussionen, die unter anderem zum Verfassen dieses Artikels geführt haben, sind über die Suchfunktion zu finden). DÖRRE, N.: Aquarium und Biotop. - www.ibdoerre.com/aqua (Version vom 23.02.2004) GEISSEL, U.: Turtle Technik. - www.turtle-technik.de (Version vom 18.02.2004) KASSEBEER, G.: Die Geschichte vom alten Schlamm. - www.deters-ing.de/Gastbeitraege/Mulm.htm (Version vom 11.11.2003) KASTAUN, S.: Beziehungskiste. (Aquarien) Fische und ihre Umwelt. - www.aquarium-bzk.de/index.shtml (Version vom 06.04.2003) NISSEL, A.: FTP-Server für Baupläne zu den Filtersystemen. - Download-Site ftp://81.217.18.221 (Version vom 09.05.2004) ![]() |